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„Erfolgreiche Unternehmer haben ihre Nachfolge geregelt“ - MANZ im Gespräch mit Gerold Oberhumer und Clemens Jaufer

Blog-Eintrag   •   Mai 11, 2019 10:00 CEST

Gerold Maximilian Oberhumer (r) und Clemens Jaufer sind Rechtsanwälte und Partner der Scherbaum Seebacher Rechtsanwälte GmbH. Sie leiten die Jahrestagung Unternehmensnachfolge, die heuer am 18. 6. 2019 in Wien stattfinden wird (Foto: privat)

MANZ: Sie haben sich bei Ihrer Beratung unter anderem auf die Unternehmensnachfolge spezialisiert. Ein besonders heikles Thema – warum?

Oberhumer: In der anwaltlichen Beratungspraxis beobachten wir immer wieder denselben Kardinalfehler: Die Unternehmensnachfolge wird entweder gar nicht oder viel zu spät in Angriff genommen. In der Zwischen­zeit bauen sich bei allen Beteiligten sehr fixe Erwar­tungshaltungen auf. Einvernehmliche Lösungen inner­halb der Familie können zum Scheitern verurteilt sein, wenn schlicht die Zeit fehlt, um diese Erwartungshal­tungen aufeinander abzustimmen und rechtlich sauber umzusetzen.

Jaufer: Dazu kommt oftmals noch, dass sich im Laufe der Jahre so unterschiedliche Zielrichtungen bei den Beteiligten entwickeln. Dies lässt dann kaum eine gemeinsame Nachfolgestrategie zu, wodurch wiederum für die Zukunft des Unternehmens strategisch notwen­dige Entscheidungen ausbleiben und in manchen Fällen sogar ein Gesellschafterstreit entbrennt. Derartig ver­fahrene Situationen brauchen bei allen Beteiligten einen langen Atem und die richtigen Berater auf allen Seiten, um doch noch zu einer Lösung kommen zu können.

MANZ: Welche Tipps haben Sie für Unternehmen in dieser sensiblen Phase parat?

Oberhumer: Da eine Übergabe in der Regel nur einmal im Leben des Unternehmers stattfindet, fehlt es im Unternehmen entsprechend an Routine und Fach­wissen. Ein Großteil der typischen Fehler sind „glück­licherweise“ Sachfehler und können durch die Beizie­hung externer Berater wie Rechtsanwälte, Unterneh­mensberater etc. vermieden werden. Der Gestaltungs­spielraum ist viel größer, wenn der Übergeber und seine Familie Zeit haben, den Nachfolgeprozess umfassend zu planen.

Jaufer: Ein immer häufiger nachgefragtes Instru­ment zur Gestaltung der Nachfolge ist eine Familien­verfassung. Wir sehen darin die große Chance, dass bereits frühzeitig innerhalb einer Familie festgelegt werden kann, nach welchen Regeln mit dem Familienvermögen umzugehen ist. Die Erstellung einer Familien­verfassung ist allerdings ein Prozess, der sehr lange dauern kann. Er sollte unbedingt mit externer Beglei­tung erfolgen, weil dabei auch starke emotionale As­pekte mitspielen. Auch die betreuenden Privatbanken sind vielfach eingebunden.

MANZ: Wann ist der richtige Zeitpunkt für Unter­nehmen gekommen, um sich darüber Gedanken zu machen?

Jaufer: Erfolgreiche Unternehmer haben ihre Nach­folge stets frühzeitig geregelt und pflegen einen offenen Umgang mit der Tatsache, dass ihr Unternehmen auch nach dem eigenen Ausscheiden erfolgreich weiterbe­stehen kann.

Oberhumer: Aufgrund des hohen Aufwands, der mangelnden Erfahrung der betroffenen Parteien und der vielschichtigen rechtlichen und wirtschaftlichen Themen ist es kein Fehler, bereits wenige Jahre nach der Gründung mit den ersten Grundkonzeptionen in Bezug auf Nachfolgerauswahl und -struktur zu beginnen.

MANZ: Gibt es für Familien-unternehmen besondere Heraus­forderungen?

Oberhumer: Das Fehlen von Nachfolgeregelungen kann sowohl für das Unternehmen als auch für das restliche Familienvermögen existenzbedrohend sein. Besonders schädlich sind fami­liäre Konflikte sowie menschliche Schwächen wie Neid, Bequemlichkeit oder mangelnde Einsichtsfähigkeit. Alle diese Faktoren erschweren die Abwicklung der Über­gabe bzw. den Erfolg des Nachfolgers. Das größte Risiko liegt darin, die Gefahren einer fehlenden Nachfolgepla­nung nicht zu erkennen und die Nachfolgeregelung aufgrund von Zeitmangel und unzureichender Priori­sierung zu vernachlässigen.

Jaufer: Hinzu kommen typische Fehlerquellen in Bezug auf den Nachfolger: Immer wieder werden ge­eignete Nachfolger übersehen, nicht früh genug in den Betrieb eingegliedert oder gar nicht erst gesucht. Die Suche, Auswahl und Ausbildung eines geeigneten Nachfolgers, der auch eine familienexterne Person sein kann, stellt eine ebenso große Herausforderung dar wie die Einhaltung eines hinreichenden Zeitplans.

MANZ: Das „neue Erbrecht“ hatte auch große Aus­wirkungen auf die Unternehmensnachfolge. Welche Schlüsse lassen sich daraus ziehen?

Oberhumer: Zum Teil brachte das neue Erbrecht gewisse Erleichterungen, die sich aber – zumindest derzeit – wirtschaftlich als wenig attraktiv erweisen. Ich denke dabei an die neue Möglichkeit, den Pflicht­teilsanspruch zu stunden, wodurch der Pflichtteils­schuldner allerdings die gesetzlichen Zinsen in Höhe von 4 % pro Jahr zahlen muss. Das Pflichtteilsrecht ist nach wie vor ein Hauptproblem bei Unternehmens-übergaben. Mangels abweichender Regelung müssen der Ehegatte und alle Kinder ihren Mindestanteil am Wert des Vermögens erhalten. Das kann zu einem ernsthaften Liquiditätsproblem für das Unternehmen führen. Nach meiner Einschätzung sind den meisten die Konsequenzen gewisser Neuregelungen im Pflicht­teilsrecht noch gar nicht bewusst. Ich rechne daher noch mit vielen sehr interessanten Entscheidungen des OGH.

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