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MANZ-Porträt des Monats: Arbeit ganzheitlich denken - Martin Risak

News   •   Mai 07, 2019 08:00 CEST

Martin Risak (© Peter Reitmayer)

Wer mit Martin Risak über Arbeit reden will, sollte eine Portion intellektuelle Sportlichkeit mit sich bringen. Fragen wie Arbeitszeit oder Home-Office sind für viele brandaktuell. „Gerade unlängst hat mir jemand erzählt, dass er, seit er von zu Hause arbeitet, rund um die Uhr im Einsatz ist, weil es die Trennung zwischen Beruf und Freizeit nicht mehr gibt“, erzählt Risak. E-Mails abfragen? Noch schnell etwas online erledigen? Oder sich sieben Tage die Woche in sozialen Medien vermarkten? All diese Überaktivitäten seien, so Risak, in einer digitalisierten Welt längst Realität. Die entscheidende Frage für ihn als Wissenschaftler ist jedoch, ob diese Deregulierung und Flexibilisierung tatsächlich eine Innovation ist, wie viele behaupten, oder einfach nur eine neue Form der Ausbeutung, in die sich Menschen freiwillig begeben. Darüber will er diskutieren, mit allen.

„Ich sehe mich als kritischen Arbeitsrechtler“, sagt Risak. Er ist überzeugt, dass die gültigen arbeitsrechtlichen Regelungen durch die Digitalisierung ausgehebelt werden können, nennt Services wie den Fahrtendienst Uber oder Online-Essenslieferanten als Beispiele. Zu Beginn der Industrialisierung gab es schon die Frage, „welche Zeiten des Tages Arbeiter NICHT verwerten müssen“, erinnert er und findet sie heute überaus aktuell.

Risak ist ein animierend diskursiver Charakter. Mit dieser Eigenschaft motiviert er seine Studierenden, präsentiert seine Standpunkte in Brüsseler EU-Ausschüssen und reist auf jede Veranstaltung zum Thema, weil ihm Vernetzung ein Anliegen ist. Und Gleichberechtigung für Frauen und das Fördern von jungen Menschen auch. Das Arbeiten im stillen Kämmerlein sei nicht unbedingt seins, sagt er. Mit dieser Einstellung entstand beim MANZ Verlag, für den Risak seit langem als Autor tätig ist, die Idee, einen Lehrgang für Arbeitsrecht zu organisieren. „Wir sind bummvoll“, freut er sich. Die Hemdsärmeligkeit in Projekten entspricht auch seinem Werdegang.

Martin Risak wurde 1969 in Wien geboren und wuchs mit zwei jüngeren Schwestern im neunten Bezirk auf. „Die Zeit im Piaristengymnasium war okay“, sagt er, nach der Matura meldete er sich ein Jahr freiwillig zum Militär, weil das in seiner Familie Tradition war. Danach inskribierte er Jus, „ohne genau zu wissen, was mich da erwartet“. Doch er fing sofort Feuer. Zu seinem wichtigsten Förderer wurde Theodor Tomandl. Der Wiener Arbeitsrechtler war 1983 in den USA und installierte nach US-Vorbild so genannte „Begabtenübungen“ an der Uni. Es waren Diskussionsveranstaltungen, auf denen sich Risak schnell hervortat. Tomandl bot ihm im vierten Semester eine Stelle als Studienassistent an.

Risak ergriff die Gelegenheit, war stets an aktuellen wirtschaftlichen Entwicklungen und ihren Auswirkungen auf das Arbeitsrecht interessiert. In den 1990er-Jahren setzte er sich in seiner Dissertation mit den Auswirkungen von Umstrukturierungen auf Betriebsräte auseinander, in seiner Habilitation mit einseitigen Entgeltgestaltungsrechten. Zwischen seinen Engagements auf der Uni nahm er sich Zeit für Reisen, war in China mit dem Rucksack unterwegs, tingelte durch Indien, fuhr immer wieder in die USA. Ein Jahr lang probierte er sich dann auch in einer Anwaltskanzlei aus, doch das selbstbestimmte Arbeiten an der Uni sagte ihm mehr zu. 2011 verbrachte er ein Jahr als Marie-Curie-Fellow in Neuseeland, dann bereits mit seiner Familie. Sein Forschungsfeld: die Mediation arbeitsrechtlicher Konflikte.

Zeit für Fernreisen nimmt er sich immer: Mittlerweile ist er mit seiner zwölfjährigen Tochter unterwegs und war in den Semesterferien gerade in Guadeloupe. Die schönste Zeit seines Lebens waren für Risak übrigens die eineinhalb Jahre, in denen er sich um seine kleine Tochter kümmerte und nur ein paar Stunden pro Woche auf die Uni musste.

Was hat Martin Risak für Hobbys? „Diese Frage stellt mir meine Tochter auch immer, und jedes Mal sage ich ihr, dass ich gerne mit Menschen rede“, sagt er lachend, zeigt dann aber auf seine Bücherwand und sagt leise: „Ich lese auch gerne.“ Dass er ein glühender Fan der Band „Element of Crime“ ist und eben auf dem Konzert von „Soap & Skin“ war, muss man ihm ein bisschen aus der Nase ziehen. Sein liebster Wochentag ist übrigens Sonntag, „einer, an dem ich frei habe und nicht weiß, was ich machen werde“, sagt er.

Karin Pollack

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