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MANZ-Porträt des Monats: Bunt im Denken - Michael Holoubek

News   •   Sep 16, 2019 10:00 CEST

Michael Holoubek (Foto: WU Wien)

Der Campus der Wirtschaftsuniversität ist im Juli ziemlich ruhig. Nur ein paar Menschen sitzen im Anker-Café. Es ist Ferienstimmung. „Wir sind das bunte Gebäude“, sagt Michael Holoubek, wenn er gefragt wird, wo genau das Institut für Österreichisches und Europäisches Öffentliches Recht an der WU zu finden sei. „Wir Juristen hier haben die Bretter vorm Haus, nicht vor dem Kopf“, sagt er. Nur wer bei einem Besuch genau hinsieht, versteht Holoubeks Anspielung. Das Gebäude, geplant vom britischen Star-Architekten Peter Cook, ist rundum mit Brettern eingerüstet. Es sind Holzplanken, die die schrillen Farben der Mauern teilweise verdecken. Das Holz hat in den fünf Jahren seit der Errichtung auch schon ein wenig Patina angenommen.

Maßgeblich an der Planung des WU Campus beteiligt

„Sie dürfen mich nicht fragen, ob ich gerne hier arbeite, ich war maßgeblich an der Planung beteiligt“, lacht Michael Holoubek, der in der Bauphase als Vizerektor für das Projekt Campus WU verantwortlich war. Das offene Konzept der Räume mit vielen Begegnungszonen zum Gedankenaustausch entspräche auch voll und ganz dem Geist des Instituts. „Die Leute arbeiten gerne hier“, sagt er und sieht das als Beweis für den Erfolg. Und es stimmt: Auch jetzt in der Ferienzeit sitzen kleine Gruppen Studierender herum und reden, die Türen zu den Zimmern der Assistentinnen und Assistenten stehen weit offen.

Zum Germanisten fehlt nur eine Prüfung

Die ungewöhnliche Verbindung von Juristerei und baulicher Verantwortung wurde Michael Holoubek in die Wiege gelegt. Geboren 1962 „als echter Wiener mit böhmischen Großeltern“, wuchs er in Meidling auf. Sein Vater war Jurist, arbeitete allerdings im Wohnbau, und Holoubek selbst hat in seiner eigenen Studentenzeit viele Ferialjobs auf der Baustelle gemacht. Seine Kindheit verbrachte er im Fußballkäfig in Meidling, und als die Familie später in den 19. Bezirk übersiedelte, war das anfänglich „schon ein Kulturschock“. Holoubek besuchte das Gymnasium in der Billrothstraße und wollte nach der Matura 1980 eigentlich Germanistik studieren. „Meine Eltern haben aber auf etwas Verwertbarem, also Jus bestanden“, sagt er und studierte beides. Für Germanistik fehlt ihm nur die Diplomarbeit und eine Prüfung in Althochdeutsch.

Die ganze Vielfalt der Gesellschaft auf dem Schreibtisch

In den Rechtswissenschaften, das war für Holoubek schnell klar, hatte es ihm das Öffentliche Recht angetan, konkret die Grundrechte. Hannes Tretter, Manfred Nowak und vor allem Felix Ermacora prägten das Denken des jungen Studenten. Als „Lebensglücksfall“ bezeichnet Holoubek ein eher unverbindliches Gespräch mit Karl Korinek, der in den 1980er-Jahren eine Professur an der WU innehatte und ihm in der Folge eine Assistentenstelle anbot, sein Einstieg in eine akademische Laufbahn. An Korineks Prinzip des Forderns und Förderns hält sich Holoubek in seiner eigenen Rolle als Lehrer bis heute. „Ich will den Leuten Freiräume lassen, sie zu eigenständigem Denken animieren und ihre Leistungen sichtbar machen“, sagt er. Inhaltlich hat das von Georg Lienbacher geleitete Institut an der WU seinen Fokus auf die Schnittstellen von europäischem und innerstaatlichem Recht gesetzt. Mit Lienbacher gemeinsam hat Michael Holoubek gerade den Kommentar zur Europäischen Grundrechtecharta bei MANZ in zweiter Auflage herausgegeben. „Was Europas Identität ausmacht, hat viel mit Grund- und Menschenrechten zu tun“, sagt Holoubek, der seit 2010 als Verfassungsrichter über gesellschaftlich relevante Fragen sehr grundsätzlich und mit Leidenschaft nachdenkt. Die ganze Vielfalt einer Gesellschaft lande auf seinem Schreibtisch: vom Fremdenrecht über Datenschutz bis zur Gleichbehandlung. „Ich würde auch zahlen, um dort arbeiten zu dürfen“, scherzt er.

Faible für Irland

Und was macht Michael Holoubek privat? Er hat vier erwachsene Kinder, vier Enkelkinder, einen Hund, und er isst sehr gerne. Seine Frau ist ebenfalls Juristin, die beiden haben seit vielen Jahren ein Faible für Irland, ein Relikt aus seiner Zeit als Gastprofessor an der Universität Limerick 2005/06. „Eine andere Sprache, eine andere Umgebung, das bringt schon Entspannung“, sagt er. Er und seine Frau mochten jedenfalls die Gegend und die Leute so sehr, dass man sich dort ein Ferienhaus anschaffte, „ganz typisch irisch“, sagt er. „Darum wird dich niemand beneiden“, habe ein Kollege einmal zu ihm gesagt. Dabei habe er im Laufe der Jahre festgestellt, dass Irland im bunten Europa Österreich gar nicht unähnlich sei, „ein kleines Land mit einem großen Nachbarn, nur dass es dort im Sommer wesentlich kühler als hier bei uns ist.“

Karin Pollack

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